Wenn der Rücken spricht, was du selbst nicht sagen kannst
Fast jeder Mensch kennt sie: diese ziehenden, dumpfen oder stechenden Rückenschmerzen, die einfach nicht verschwinden wollen. Untersuchungen sind oft unauffällig, der Körper scheinbar gesund – und doch bleibt der Schmerz.
Studien zeigen, dass etwa 70 % aller chronischen Rückenschmerzen keine körperliche Ursache haben, sondern aus Stress, emotionalen Spannungen und unbewussten Haltungs- und Atemmustern entstehen .
Der Rücken wird so zum Resonanzraum für das, was du nicht mehr tragen willst – und doch nicht loslässt.
Manche nennen ihn den „Spiegel der Seele“. Feldenkrais-Therapeuten würden sagen: Dein Körper zeigt dir, wo du dich selbst vergessen hast.
Rückenschmerzen Ursachen: Wenn Verantwortung zur Last wird
Schmerz ist oft weniger ein Zeichen körperlicher Schwäche als Ausdruck innerer Überforderung.
Menschen, die „funktionieren“, Verantwortung tragen und selten um Hilfe bitten, entwickeln häufig chronische Verspannungen im unteren Rücken.
Typische emotionale Muster hinter Rückenschmerzen:
- Zu viel Verantwortung: Das Gefühl, ständig alles tragen zu müssen.
- Mangelnde Unterstützung: Niemand, der dich wirklich hält – also hält dein Rücken.
- Unterdrückte Gefühle: Wut, Angst, Trauer – was keinen Raum bekommt, sucht sich den Körper.
- Kontrolle: Der Versuch, das Leben festzuhalten, zeigt sich als starre Muskulatur.
Der Rücken trägt, was du psychisch nicht mehr tragen kannst. Er spannt an, wenn du dich selbst spannst.
Warum Stress Rückenschmerzen verschlimmert
Unter Stress aktiviert das Nervensystem den sogenannten „Kampf-oder-Flucht-Modus“.
Das bedeutet: flachere Atmung, verspannte Schultern, erhöhter Muskeltonus. Der Zwerchfellmuskel (Diaphragma) erstarrt, und die tiefe Rückenmuskulatur bekommt weniger Sauerstoff.
Das führt zu einem Teufelskreis:
- Weniger Atmung → weniger Durchblutung → mehr Spannung → mehr Schmerz.
- Der Körper merkt sich diesen Zustand – und wiederholt ihn.
Im Feldenkrais nennt man das ein eingefrorenes Bewegungsmuster. Die Therapie beginnt also nicht mit Dehnung, sondern mit Sicherheit.
Nur wenn dein Körper sich sicher fühlt, kann er loslassen.
Rückenschmerzen Therapie: Sicherheit statt Zwang
Viele versuchen, den Schmerz „wegzutrainieren“. Doch Druck gegen Druck erzeugt nur Widerstand.
Die Feldenkrais-Methode geht einen anderen Weg: Sie hilft dem Nervensystem, sich selbst zu regulieren.
Anstatt Muskeln zu dehnen oder Kraft aufzubauen, lernst du, Bewegung neu zu spüren – weicher, feiner, bewusster.
Prinzipien der Feldenkrais-Arbeit:
- Sicherheit vor Anstrengung: Veränderung entsteht nur in einem Gefühl von Ruhe.
- Wahrnehmung statt Wille: Wenn du spürst, was du tust, entsteht neue Wahlfreiheit.
- Langsamkeit statt Leistung: Kleine Bewegungen wirken tiefer als große.
- Integration statt Korrektur: Der Körper findet selbst den Weg, wenn er verstanden wird.
Der Schmerz ist kein Gegner, sondern ein Hinweis. Er zeigt dir, dass du etwas verändern darfst, nicht nur körperlich, sondern im ganzen Leben.
Somatische Übung: „Atme deinen Rücken frei“
Eine Feldenkrais-inspirierte Übung für zu Hause.
Sie hilft, Spannung im unteren Rücken zu lösen, den Atem zu vertiefen und das Nervensystem zu beruhigen.
Dauer: 10 Minuten
Ort: Ruhiger Raum, am besten auf einer Matte
Anleitung:
- Lage:
- Lege dich auf den Rücken, Beine aufgestellt, Füße hüftbreit.
- Schließe die Augen und spüre, wie dein Rücken den Boden berührt.
- Beobachten:
- Atme ruhig durch die Nase.
- Wohin fließt der Atem – in den Bauch, in die Brust, in den Rücken?
- Mit dem Boden atmen:
- Beim Einatmen drückt der Rücken sanft gegen den Boden.
- Beim Ausatmen lass dich vollständig tragen.
- Spüre, wie der Boden dich hält.
- Bewegung verbinden:
- Lass beim Einatmen beide Knie langsam nach rechts sinken.
- Beim Ausatmen bring sie zurück zur Mitte.
- Dann nach links.
- Achte darauf, wie dein Rücken auf diese kleine Bewegung reagiert.
- Nachspüren:
- Bleibe still liegen und beobachte den Atem.
- Vielleicht fühlt sich der Rücken weiter, wärmer, leichter an.
Diese Übung kann helfen, den Atem zu vertiefen, die Lendenwirbelsäule zu entlasten und das Nervensystem aus der Alarmbereitschaft zu holen.
Sie ersetzt keine Behandlung, ist aber ein erster Schritt zu mehr Selbstwahrnehmung und damit zu echter Heilung.
„Bewegung ist Bewusstsein – und Bewusstsein ist Heilung.“ – Moshé Feldenkrais
Rückenschmerzen Hilfe: Was du wirklich brauchst
Wenn Rückenschmerzen bleiben, obwohl medizinisch alles abgeklärt ist, lohnt sich ein Blick auf das Ganze. Der Körper ist kein isoliertes System. Er reagiert auf jede Emotion, jeden Gedanken, jede Lebenssituation.
Nachhaltige Rückenschmerzen-Hilfe bedeutet: den Körper und die Geschichte dahinter zu verstehen.
Hilfreiche Wege:
- Feldenkrais-Einzelstunden: gezielte Bewegungslektionen, um alte Spannungsmuster zu lösen.
- Atem- und Körperwahrnehmung: dein Nervensystem beruhigt sich, der Körper findet Balance.
- Somatische Therapie oder Coaching: emotionale Muster erkennen und loslassen.
- Alltagsveränderung: ergonomische Arbeitsplätze, bewusste Pausen, ausreichend Schlaf.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein Mann kam mit starken Rückenschmerzen, die über Jahre trotz Physiotherapie nicht besser wurden. Erst als er den Job kündigte, den er innerlich ablehnte, verschwand der Schmerz.
Der Rücken reagierte, nicht auf Belastung, sondern auf Erleichterung.

Probiere Feldenkrais selbst aus
Wenn du wissen willst, wie sich „Rückenschmerzen-Therapie“ ohne Druck anfühlt:
Erlebe, wie dein Körper sich verändert, sobald du dich ihm zuwendest. Probiere eine Feldenkrais-Einzelstunde, achtsam, individuell, heilsam.
Spüre, wie dein Rücken loslässt, wenn du loslässt.
Rückenschmerzen sind kein Schicksal
Der Rücken ist kein Feind. Er schützt dich, manchmal, indem er dich stoppt. Wenn du beginnst, zuzuhören, verwandelt sich Schmerz in Information.
Feldenkrais hilft dir, diese Sprache zu verstehen. Du lernst, mit dir zu arbeiten statt gegen dich. Und das ist oft der Moment, in dem Heilung wirklich beginnt.
„Der Körper ist nicht kaputt. Er ist nur fertig mit Flüstern.“
(nach The Unspoken Causes of Back Pain)
Quellen:
- Robert Koch-Institut (2021): Gesundheit in Deutschland – Rückenbeschwerden.
- Sarno, J. E. (1991): Healing Back Pain: The Mind-Body Connection. Warner Books.
- Feldenkrais, M. (1972): Awareness Through Movement. Harper & Row.
- Van der Kolk, B. (2014): The Body Keeps the Score. Viking.








